CCTV China Imprint Contact
PR Talks +++ PR Talks +++PR Talks
Perception
Heute fotografiere ich Portraits, als waere  es die letzte Gelegenheit
What means Portrait Photography to me?
2018 bekam ich den angekuendigten Besuch eines lokalen Chinesischen Fernsehsenders fuer ein Interview im Atelier. Das Team bestand aus einer Journalistin, einem Kameramann und jemanden, der sich um den Ton kuemmerte. Nachdem soweit alles eingerichtet war, ging es dann los. Zuerst ein paar Fragen zu meiner Person, wie lange ich in China bin und zu meiner Arbeit. Alles lief soweit sehr rund und routinemaessig, bis die Jounalistin eine Frage stellte, auf die ich in unterschiedlichster Weise antworten konnte. Die Frage lautetete also, was mir persoenlich Portrait-Fotografie bedeutet? Ich musste einen Augenblick darueber nachdenken, weil die Antwort eine sein wuerde, die im Grunde niemand erwartet. Denn sie ist in vielerlei Hinsicht auch etwas dramatisch. Fuer mich persoenlich ist Photography das wirklich wertvollste und dauer- hafteste, was wir haben und besitzen. Ich selbst habe 30 Jahre gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen.  Hinzu kam ein praegendes Ereignis. Als junger Werbefotograf habe ich mir dazu jedenfalls noch keine tief- greifenden Gedanken gemacht. Anfang 2000 kam die Bitte fuer ein Meeting in Duesseldorf. Ich sollte das Portrait eines CEO fotografieren. Der Mann war um die 80 Jahre alt. Ich wurde in einer Villa empfangen. Mein Kunde hatte 2 Kinder im Erwachsenenenalter (25 und Anfang 30). Beide waren da und unterhielten sich sehr nett mit mir. Der Vater stiess eine Viertelstunde spaeter dazu. Und von dem Augenblick konnte man die Spannungen in der Familie foermlich fuehlen. „Negative Vibrations“ nennt man das wohl. Waehrend der Ton zwischen Vater und Sohn sehr herzlich und ent- gegenkommend blieb, koennte man die Stimmung zwischen  Tochter und Vater wohl eher als „provokant“  bezeichnen. Sie fiel ihm staendig ins Wort, als wir anfingen Entscheidungen fuer das Shooting zu treffen. Location, Outfit, wie und wann wurde ploetzlich zu einer Art Streitpunkt. Wie haben uns dann tatsaechlich ge- einigt, wobei ich dem Sohn die ver- trauliche Bitte uebermittelte, dass ich keinen Wert darauf lege, seine Schwester dabei zu haben. Ich stiess auf  Verstaendnis und so arrangierten wir ein voellig ent- spanntes Shooting mit dem Vater nebst gemeinsamen Abendessen in Duesseldorf. Es entstand ein wunderbares Portrait, das im Grossformat in der Eingangs- halle des Konzerns seinen Platz fand. Soweit so gut. Zwei Jahre spaeter verstarb der Vater. Und der Streit um die Ver- moegenswerte eskalierte in der Presse. Anders haette ich das nie erfahren. Die Geschwister stritten oeffentlich - und das auf eine sehr unwuerdige Art und Weise. Eines Morgens war in der Lokal- presse zu lesen, dass sich der ueberaus vermoegende, aber im Grunde vom Konzern unabhaengige Sohn  zurueckzieht, seiner Schwester den Platz ueberlaesst und ansonsten damit nichts mehr zu tun haben will. Das einzige was er mitnehmen wird, waeren persoenliche Dinge! Ein paar Tage spaeter bekam ich von ihm einen Anruf. Er bat mich um ein Treffen. Er wollte ueber das foto- grafische Erbe seines Vaters sprechen. Er bat um die Negative und Prints,  die noch in meinem Besitz waren. Ich willigte ein und wir trafen uns im selben Restaurant wieder. Es war wohl mit das beeindruckenste Treffen, was ich je hatte. Denn dieser Mann lieferte mir an diesem Abend die vollstaendige und einzige Wahrheit ueber den Sinn und die Bedeutung von Photography. Und dabei war es ihm noch nicht einmal bewusst. Als wir uns verabschiedeten, bat er mich noch, sowohl den Rahmen als auch die Einzel- drucke rueckseitig  zu signieren. Ich weiss, dass diese Bilder seit Jahren in New York sind. Nach dem Abendessen machte ich einen langen Spaziergang am Rhein und sinnierte darueber, wie endlich doch das Leben  ist und fragte mich, was am am Ende bleibt? In Wahrheit? Nichts als unsere Fotografien und Erinnerungen. Pervide gedacht, beginnen Menschen ja schon darueber zu streiten, wem was in Zukunft gehoeren wird, obwohl es noch gar nicht „vorbei“ ist… Und wenn es dann soweit ist, werden sie von dem Augenblick sagen, dass es ihr Haus, ihr Auto, ihre Yacht und ihr Geld ist. Kaum jemand wird respektvoll einraeumen, dass er oder sie es geerbt haben und von wem? Die Spuren des realen Erschaffers von Werten werden bis zur Unkennt- lichkeit verwischt. Es soll vergessen werden. Nur Fotografien lassen sich nicht ausloeschen. Fotografien sind und bleiben bis in alle Ewigkeit mit dem Menschen verbunden, der darauf abgebildet ist. Jedes Foto, aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart und jedes Foto, was noch in Zukunft entsteht, ist Zeugnis unserer zeitlich begrenzten Existenz auf diesem Planeten. Ansonsten waeren wir nie da gewesen.   Und wie wertvoll eine Fotografie fuer jemanden sein und wie sehr sie ueber wirtschaftliche Interessen stehen kann, hat mich dieser Familienstreit gelehrt. Jedes Foto von uns, kann theoretisch das letzte Foto und somit die letzte Erinnerung sein. Es gibt kein Morgen, um etwas nachzuholen. Das ist mir in dieser Nacht so klar geworden, wie man es klarer nicht verstehen kann. Ich habe danach eine Woche lang keine Kamera mehr in die Hand genommen und fuer mich persoenlich zunaechst ein voellig neues  Bewusstsein dazu entwickelt. Die Moeglichkeit,  Dinge auch anders sehen zu koennen, hat meine Blickwinkel  in Sachen Portrait-Fotografie jedenfalls dauerhaft beeinflusst. Heute fotografiere ich Portraits, als waere  es die letzte Gelegenheit. 
Zwei Wochen nach dem Interview: Ich sehe die Journalistin wieder. Diesmal fuer ein Portrait-Shooting im Atelier.
Back Office
Aus der Erinnerung - Christian von der Eltz 20. July 2022/cc Link nach NY.
Stories
Portrait Gallery
Event Portraits
Kids Portraits
Portraits